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Kundgebung gegen den Plenarsaalabriss
Die Entscheidung der niedersächsischen Landtagsabgeordneten für einen Abriss des 1957-62 von Dieter Oesterlen gebauten Plenarsaals vor einigen Wochen war in ihrer Deutlichkeit überraschend, vor allem auf Grund der Proteste und Einsprüche, die von vielen Seiten im Vorfeld an die Abgeordneten heran getragen wurden. Während sich die Nutzer einen Neubau wünschen, sind die Gründe für eine Ablehnung dieser Pläne in der Bevölkerung vielfältig. Neben den Kosten für so ein Projekt, sind auch Faktoren wie die historische und architektonische Bedeutung des Gebäudes, die Aushebelung des Denkmalschutzes und die Ignoranz gegenüber dem Umbauwettbewerb von 2002 ausschlaggebende Aspekte für den Protest.
Dabei geht es gar nicht darum, die auf Grund des Sanierungsbedarfs und der veränderten, zeitgemäßen Ansprüche notwendigen Maßnahmen und Wünsche zu verwehren. Warum aber ein Landtag, der inzwischen personell verkleinert wurde, plötzlich einen im Gegensatz zu den Umbauplänen von 2002 deutlich vergrößerten Platzbedarf anmeldet, ist schwer zu verstehen. Zumal vorhandene Lösungen eine Sanierung mit einer Modernisierung verbinden würden, ohne den ursprünglichen Entwurf von Dieter Oesterlen in seiner Nachvollziehbarkeit gänzlich zu zerstören. Die entsprechenden Argumente wurden schon vor der Abstimmung um Umbau oder Abriss deutlich gemacht, um so enttäuschter wurde das Votum der Abgeordneten in der Öffentlichkeit aufgenommen.
Die zwischenzeitlich gegründete Initiative Bürgerbeteiligung Landtag will sich mit der Entscheidung der Politiker allerdings nicht so einfach abfinden und bemüht ein altes Symbol, um dem Protest ein Gesicht zu geben: den Roten Punkt. Ursprünglich war der Rote Punkt eine Ausdruck des Protestes gegen Fahrgelderhöhungen im öffentlichen Nahverkehr Ende der 1960er Jahre. Die Aktion fand zwar in verschiedenen deutschen Städten statt, war aber in Hannover besonders erfolgreich. Die Initiative Bürgerbeteiligung Landtag möchte an diesen Erfolg anknüpfen, auf Aufklebern und Plakaten gegen den Abriss des Oesterlen-Plenarsaals erkennt man den Roten Punkt von damals wieder, heute allerdings ergänzt um ein springendes weißes Pferd, dass an das niedersächsische Wappen erinnert. Tatsächlich musste die Initiative das Layout der Aufkleber ändern und die Ausrichtung des Pferdes umdrehen, weil die niedersächsische Staatskanzlei auf die ursprüngliche Fassung mit einer Abmahnung reagiert hat. Zu sehr habe das Logo an das Niedersachsenross erinnert, dessen Rechte beim Land liegen.
Der neue Rote Punkte kann auf der Internetseite der Initiative herunter geladen werden. Dort findet der Besucher auch Möglichkeiten, die Aktion durch Spenden und Unterschriften für die Petition gegen den Abriss zu unterstützen. Entsprechende Sammellisten können ausgedruckt und bis Ende Mai im Bürgerbüro Stadtentwicklung abgegeben werden.
Neben dem Symbol knüpft die Initiative auch an ein Datum an, das mit der Aktion-Roter-Punkt in Verbindung steht. Am 7. Juni 1969 fand die erste Kundgebung der Aktion vom dem hannoverschen Opernhaus statt. Daher wird es am 7. Juni 2010, 41 Jahre nach dieser ersten Veranstaltung, wieder eine Kundgebung vor dem Opernhaus geben, dieses Mal mit dem Ziel, den Abriss des Plenarsaals in Hannover zu verhindern. Die Kundgebung wird um 17 Uhr beginnen und die Veranstalter hoffen auf eine rege Beteiligung.
Derweil meldet die Neue Presse heute in ihrer Onlineausgabe, der Umbau des Landtags stände auf der Kippe. Offenbar verzögern Einsprüche und Klagen die Umsetzung der Neubaupläne. Zudem zwingen Finanznot und Wirtschaftslage das Projekt in einen eng gesteckten Rahmen, an dem es scheitern könnte. Da aber der schlechte Zustand des Gebäudes auf jeden Fall einen Handlungsdruck erzeugt, bleibt die Arbeit der Initiative Bürgerbeteiligung Landtag weiterhin wichtig. Nicht das eine erneut verschobene Sanierung mittelfristig zu einem schleichenden Abriss wird.






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