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Tag der Architektur – ein Eindruck
Der diesjährige Tag der Architektur ist vorbei. Die Chance, aktuelle Architektur zu erleben und von den Architekten erklärt zu bekommen haben am Sonntag in Hannover eine ganze Menge von Menschen genutzt. Auch wir waren dabei und haben uns einige Projekte angeschaut. Hier ein Eindruck unseres Rundgangs.
Der Beginn unserer Exkursion ist am Sonntag Vormittag um 10.50 Uhr das neue Wohnquartier in der Südstadt, gelegen an der Schlägerstraße und besser bekannt als Q'artis7. Am Treffpunkt vor dem Geschäftsgebäude von meravis (ein Kunstname aus Menschen, Raum, Visionen, wie uns kurz darauf erklärt wird) warten schon eine Menge Menschen und stetig strömen aus den benachbarten Straßen weitere heran. Kurz vor elf Uhr beginnt ein Vertreter von meravis (ehemals Reichsbund) mit der Begrüßung und der Vorstellung der Planer. Es sind sowohl Vertreter des Architekturbüros vor Ort (L.A. Lassen Architekten, Langenhagen), als auch der Freiraumplaner ( lad+ landschaftsarchitektur diekmann, Hannover).
meravis hat das Gelände inklusive des Verwaltungsgebäudes 2005 von Agravis übernommen, einer landwirtschaftlichen Genossenschaft, die hier lange Zeit ihren Sitz hatte und hat einen Architektenwettbewerb für eine neue Bebauung des hinter dem Verwaltungsgebäude liegenden Grundstücks ausgeschrieben. Außerdem hat man sich dazu entschieden, das vorhandene Verwaltungsgebäude nur umzubauen und als neuen Unternehmenssitz zu nutzen. Mit Stolz wurde auf die erhaltenen Treppe aus den sechziger Jahren verwiesen.
Der aus dem Wettbewerb hervorgegangene Entwurf wurde bis Mai 2008 realisiert. Das besondere des Entwurfs ist, dass er nicht die Blockrandbebauung der Schlägerstraße fortsetzt, sondern ein Ensemble aus sieben mehrgeschossigen Punkthäusern über das Gebiet verteilt. Insgesamt sind so 89 neue Wohnungen entstanden. Fünf der Häuser bestehen aus Eigentumswohnungen, zwei bieten Mietwohnungen, die von meravis vergeben werden. Derzeit beträgt die Auslastung 100%.
Die Besucher wurden dann auf die Dachterrasse des Verwaltungsgebäudes gebeten, um einen besseren Blick über die Gesamtanlage zu bieten. Auf Grund der Menge an Besuchern wurde es hier etwas eng, die Erläuterungen der Planer waren nicht für alle gut zu hören.
Es wurde unter anderem das Konzept der Höfe, der Wegführung und der Grüngestaltung näher erklärt. So sind die Höfe, die auch als Feuerwehrflächen dienen, thematisch unterschiedlich geordnet. Es gibt zum Beispiel einen „Südstädter Klinkerhof“, was sich in der Pflasterung ausdrückt. Die Wege sind so angelegt, das sie nicht als Abkürzungen missbraucht werden und die Bepflanzung schafft Abgrenzungen zwischen öffentlichen und privaten Zonen.
Nach dem Besuch der Dachterrasse, standen die Architekten dann unten zwischen den Gebäuden den Besuchern Rede und Antwort, das Spektrum der Fragen reichte dabei von der Materialität der Fensterrahmen (Holz in den Wohnungen, unempfindlichere Aluminiumprofile an den Pfosten-Riegelkonstruktionen der Treppenhäuser) über die Tiefgarage (rechnerisch gibt es für jede Wohnung einen Stellplatz, die Tiefgarage liegt fast unter dem gesamten Grundstück, die Häuser sind wie eingestanzt) bis zu den Wohnungen. Diese zu Besichtigen stellte sich dann leider als nicht möglich heraus. Mehrere hundert Besucher pro Führung wollte man den Bewohnern nicht zumuten.
Nach dieser ersten Station wollten wir eigentlich ein Projekt ganz in der Nähe anschauen. In der Elkartallee 5 war ein Dachausbau im runden Eckhaus angekündigt, mit halbstündig Führungen mit jeweils zehn Personen. Als wir um 12.15 am gegenüber des Gebäudes improvisierten Informationsstand eintrafen, hieß es allerdings, alle Eintrittskarten für den Tag seien schon vergeben, alle Führungen bis 17 Uhr ausgebucht. Warum allerdings alle Karten gleich morgens verteilt wurden, statt auch späteren Besuchern wenigstens noch die Chance auf eine Karte zu geben, bleibt uns ein Rätsel. Es ist verständlich, das der Eigentümer keine Menschenmassen durch seine Wohnung laufen sehen möchte, aber der Umgang mit dieser Beschränkung war leider schlecht organisiert.
So hieß es umplanen und statt dessen ein anderes Ziel suchen. Das war für uns das Bürogebäude Podbi drei vier zwei. Überrascht davon, das man auch Sonntags bei eingeschränktem öffentlichen Nahverkehrsangebot recht schnell quer durch Hannover kommt, erreichten wir den Termin um 13 Uhr rechtzeitig. Die Führung begann dann mit ein paar Minuten Verspätung, weil vor uns noch die Gruppe der organisierten Bustour im Gebäude unterwegs war.
Das Objekt ist vom hannoverschen Architekturbüro Bünemann & Collegen entworfen worden und stellt den ersten von zwei Bauabschnitten dar. Die Fassade besteht aus durchgefärbten Zementfaserplatten, die in verschiedenen Segmentierungen angebracht wurden. Anhand das Fugenbilds lässt sich so auch die Lage des Tragwerks erkennen, über diesem liegen schmale, über die Gebäudehöhe durchlaufende Fassadenelemente. Dagegen sind die raumhohen Fensteröffnungen deutlich abwechslungsreicher gesetzt worden. Die Leibungen werden durch eine gelbliche Farbe hervor gehoben.
Der Eingang ins Gebäude befindet sich in der Seitenstraße, und markiert eine Fuge zwischen dem zur Podbi gelegenen, um ein Stockwerk höheren Teil und dem hinteren Flügel. Innerhalb dieser Fuge befindet sich die Empfangszone für jede Etage, die je nach Bedarf für ein oder zwei Nutzer eingerichtet werden kann. Außerdem sind hier Balkone vorhanden, die im Brandfall als Sammelpunkte dienen und laut Architekten so ein zweites, als Fluchtweg notwendiges Treppenhaus ersetzen.
Nach einer allgemeinen Einführung wurde den Besuchern die Möglichkeit gegeben, eine Büroetage zu besichtigen, sowie das noch nicht komplett ausgebaute Penthouse-Büro im obersten Stockwerk. In der regulären Büroetage ist eine Aufteilung in eine Mittelzone und außen liegenden Büros vorgenommen worden. Lichtfugen mit indirekter Beleuchtung ermöglichen es in der Mittelzone auf abgehängte Decken zu verzichten und statt dessen eine größerer Raumhöhe zuzulassen. Installationen und Anschlüsse finden im Hohlraumboden platz.
Da das ganze Gebäude kostengünstig errichtet werden musste, wurde weitestgehend auf einem mechanische Belüftung verzichtet, auch eine Bauteilaktivierung gibt es nicht. Zum Heizen sind Konvektoren unterhalb der Fensterflächen eingebaut.
Recht eindrucksvoll ist der Blick über Hannover, der sich aus dem obersten Stockwerk bietet. Im Südwesten kann man Hochpunkte wie Neues Rathaus, Nord/LB und Marktkirche ausmachen, im Osten ragt der Monte Müllo auf. Das südliche Blickfeld dominiert der Fernsehturm Telemax.
Nach diesem Objekt blieb uns etwas Zeit bis zur nächsten Führung, die wir genutzt haben um außerhalb des Programms am in der Nähe liegenden Neubaugebiet „Lister Blick“ vorbei zu schauen. Vorallem das markante Wasserbecken hat in den letzten Wochen für schlechte Schlagzeilen gesorgt, weil es ungepflegt wirkt und mit Algen zuwuchert. Ein Eindruck, dem wir zustimmen müssen.
Nächste Station unseres Rundgangs war der VGH Neubau im Warmbüchenkamp. Pünktlich um 16 Uhr begann die Einführung im Foyer. Nach der Vorstellung der Architekten (ASP Architekten Schneider Meyer Partner, Hannover) wurden die Besucher in den Veranstaltungssaal gebeten, wo anhand von Grundrissen, Ansichten und Schnitten einige Aspekte des Bauwerks beschrieben wurden.
Diese neuerliche Erweiterung, der dritte Komplex, den die VGH am Warmbüchenkamp errichtet hat, besteht aus einem Ensemble von drei Häusern. Die Architekten haben die Gebäude in zwei gläserne und ein steinernes Haus aufgeteilt und beziehen sich damit hauptsächlich auf die Fassadengestaltung. Die gläsernen Häuser sind dann noch einmal unterteilt in das grüne und das blaue Haus, ein Unterschied, den man an den Fensterleibungen ablesen kann. Beide sind über eine mehrgeschossige Brücke mit einander verbunden.
Die drei Häuser, die von den Architekten als kristalline Baukörper angelegt wurden, sitzen auf einem gemeinsamen, knapp 50 cm hohen Steinplateau und bilden nach innen einen frei zugänglichen Hof. Dieser soll auf zukünftig für die Öffentlichkeit erreichbar sein. Derzeit wirkt er noch sehr unbelebt.
Im blauen Haus, in dem sich der Veranstaltungssaal und das Foyer befinden, gibt es zudem ein großes Kunstwerk, eine bunte Wand, 90 Meter lang, bis zu 20 Meter hoch die in Segmentierungen die statistische Verteilung der Lieblingsfarben aller Niedersachsen zeigt.
Das steinerne Haus bietet neben einer Büronutzung auch acht Wohnungen, die von der VGH vermietet werden können. Auf der Eingangsseite des steinernen Hauses stehen zwei Jugendstillampen, die ursprünglich vor einer für den zweiten Bauabschnitt abgerissenen Villa auf dem Nachbargrundstück standen und seit Mitte der neunziger Jahre eingelagert waren.
Die Fassaden der beiden gläsernen Häuser bieten ein Wechselspiel aus Fensteröffnung und Lamellenstruktur. Nur hinter diesen Lamellen, die etagenweise in ihrem Winkel verstellt werden könne, befinden sich Öffnungsflügel in den Fenstern für die Büroräume.
Die Struktur und die Farbe der Fassade wird auch im Inneren des Gebäudes zwischen den Büros und den Fluren wiederaufgenommen. Eine Besonderheit gibt es noch im grünen Haus. Hier sind in einem haushohen Atrium Glassegmente eingebaut, die je nach Lichteinfall in unterschiedlich Farbtönen schillern.
Im Gegensatz zum Bürogebäude in der Podbi verfügt der VGH Neubau über eine Bauteilaktivierung und über eine Photovoltaikanlage. Dafür waren aber auch die Baukosten zehnmal so hoch, bei einer achtfachen Bruttogeschossfläche.
Die letzte Station an diesem Tag war ganz in der Nähe der VGH; die Ausstellung Material und Wirkung im Torhaus am Aegi. Wie schon berichtet, stellt dort die Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst (HAWK) Hildesheim eine Studie zur Wirkung von Materialien für Architektur und Innenarchitektur vor, bzw. bindet die Besucher gleich mit in die Forschung ein.
Dazu sind am Aegi eine Reihe von Materialproben ausgestellt, die der Besucher in Ruhe anschauen und erleben kann, bevor er dann in einem Fragebogen seine Eindrücke feststellt.
Im Gegensatz zu den Gebäuden, kann die Ausstellung im Rahmen der ArchitekturZeit noch bis zum 5. Juli besucht werden.
Insgesamt ein sehr interessanter Tag der Architektur, mit kleinen Schwächen, aber einer sehr schönen Chance Architektur anzuschauen, die sonst kaum zugänglich ist.


























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