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Zwischenstand: Hannovers zukünftiges Gesicht
Das ambitionierte Projekt Hannover City 2020+, das unter starker Beteiligung der Öffentlichkeit einen städtebaulichen Rahmenplan zur Gestaltung der hannoverschen Innenstadt über die nächsten zehn Jahre hinaus entwickeln will, hat gestern Abend mit der Vorstellung der eingereichten Arbeiten zur ersten Wettbewerbsphase eine neue Wegmarke erreicht. Anders als noch im vorhergehenden Bericht geschrieben, erfolgte diese Vorstellung gegenüber der Öffentlichkeit am Abend vor der eigentlichen Jurysitzung. Auch die Mitglieder des Preisgerichts, soweit sie anwesend waren, bekamen somit die Pläne gestern Abend zum ersten Mal zu sehen. Mit diesem für so ein Verfahren unüblichen vorgehen wollten die Beteiligten noch einmal deutlich machen, wie wichtig ihnen ein transparenter Ablauf des Prozesses Hannover City 2020 ist. Dem Publikum wurde nach einer knappen Präsentation der eingereichten Arbeiten sogar die Möglichkeit gegeben, Stellung zu den Plänen zu nehmen, wenn auch darum gebeten wurde, auf eine Bewertung vorläufig zu verzichten.
Von den 30 zum Wettbewerb eingeladenen Arbeitsgemeinschaften aus Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten hatten 28 Teams Entwürfe abgegeben. Die Berliner Stadtplanerin Juliane Schonauer aus dem Büro Machleidt und Partner, das den Prozess begleitet, übernahm die Erläuterung der Pläne. Entwürfe mit ähnlichen Ansätzen wurden dafür von ihr unter verschiedenen Schwerpunktthemen zusammen gefasst. Wichtig seien, das würden alle Arbeiten zeigen, die Schnittstellenzwischen Stadt und Landschaft, so Schonauer.
Schon der erste Schwerpunkt zeigte eine Überraschung. Unter dem Begriff „die Insel im Fluss“ wurden sechs Arbeiten gezeigt, die das Thema der Leineinsel wieder aufnehmen und in unterschiedlicher Form verarbeiten. Ein Entwurf sah sogar die Verbannung des PKW-Verkehrs in einen Tunnel vom Aegidientorplatz bis zur Goethestraße vor. Der zweite Schwerpunkt, „die urbane Naht“, wurde mit einem Titelbild eingeleitet, das das Hamburger Rathaus samt Wasserkante zeigte und damit im Publikum für gewisse Irritationen sorgte. Tatsächlich sollte dies andeuten, dass die damit zusammen gefassten Arbeiten die Stadtkanten schärfen wollen, zum Beispiel durch eine Trennung von Waterlooplatz und Friederikenplatz, eine Begradigung der Lavesallee und einer schalenartigen Bebauung vor dem Regierungsviertel. Unter dem Titel „Landschaft durch die Stadt“ folgten dann Beiträge, die sich stärker auf die Grünräume konzentrierten. Hier gab es Vorschläge, den Maschpark deutlicher über die Leine an die Herrenhäuser Gärten anzubinden, die Leine in ihrem Knick vor dem Leineschloss wieder sichtbarer zu machen, oder auf die Culemannstraße zu verzichten, um den Maschpark auf diese Weise bis an die Leine zu führen. „Die verbindenden Brücken“ war der Oberbegriff für den letzten Schwerpunkt, in dem sich die Verfasser um eine bessere Verbindung zwischen Altstadt und Calenberger Neustadt bemühten. Das könnte zum Beispiel durch die Wegebeziehungen zwischen den Stadtteilen markierende Bebauungen gelingen.
In einem zweiten Themenblock wurde dann das Ideenspektrum zu ausgesuchten Orten, Klagesmarkt, Marstall, Köbelinger Markt und Friederikenplatz, aufgezeigt. So finden sich in den eingereichten Arbeiten solche, die zum Beispiel den Klagesmarkt auch in Zukunft freihalten wollen, andere dagegen besetzen ihn komplett mit einer neuen Bebauung. Eher selten wurde vorgeschlagen, den Platz auf einen mittigen Bereich um das heutige Café Alex zu konzentrieren. Die überwiegende Zahl der Beiträge sieht hingegen eine Bebauung der südlichen zwei Drittel des Klagesmarkts vor. Teilweise wird dem Gewerkschaftshochaus ein neuer Hochpunkt entgegen gesetzt. Auch am Marstall sind die Ideen auf vier unterschiedliche Konzepte aufzuteilen. Hier wurden neben einer kompletten Überbauung, solche mit einfassenden Endpunkten, mit Kopfbauten oder mit einer Platz-Baufeld-Platz Beziehung gezeigt. Wichtig ist an diesem Ort die Verkehrsführung, die von den Teams unterschiedliche gelöst wurde, entweder durch Wegfall oder Verlagerung von Straßenläufen. Am Köbelinger Markt gab es Vorschläge, die den Platz in seiner aktuellen Figur erhalten möchten, andere hingegen verstanden den Platz als Übergang zwischen der historischen Altstadt und dem Neuen Rathaus. Die Betrachtung als Übergang bedeute für die Teams aber, über eine neue Typologie für das Maritim Hotel nachzudenken, so der Kommentar von Frau Schonauer, der mit spontanem Applaus aus dem Publikum bedacht wurde. Das Hotel erweist sich offenbar für einige vorgeschlagene Lösungen als Herausforderung. Ein „großes Bedürfnis, sich diesem Ort zu nähren“, gibt es laut Frau Schonauer am Friederikenplatz. Der Platz ist seit dem Abriss des sogenannten Friederickenschlösschens durch damalige Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht mitte der 1960er Jahre unbebaut geblieben. Viele Teilnehmer schlagen hier eine Überformung vor, entweder durch einen Solitär, oder durch eine kräftige Bebauung.
Nach Abschluss der Präsentation gab es einige Fragen aus dem Publikum. Ob es denn auch Lösungen für den Tramplatz gäbe, war eine von ihnen und bezog sich auf die in einer der vorrausgehenden Veranstaltungen gegeben Anregung, die Sichtbarkeit und Erreichbarkeit des Neuen Rathauses zu verbessen, zum Beispiel durch eine Anhebung des heute tiefer liegenden Platzes. Ja, es gäbe viele Lösungen, war die Antwort, allerdings wurden keine Beispiele genannt. Sie hätten sich für diesen Abend auf die ausgewählten Orte konzentriert, wurde als Entschuldigung ergänzt. Eine weitere Frage betraf den aktuell in einer heftigen Debatte stehenden Wettbewerb um den Plenarsaalneubau. Ob denn die Pläne mit dem möglichen „Tempel-“Neubau des ersten Preisträgers noch passen würden, fragte eine Bürgerin, Stadtbaurat Bodemann konnte hierzu beruhigen: in der der nächsten Phase des Hannover City 2020 Wettbewerbs würde man die Entscheidung des Parlaments berücksichtigen können. Insgesamt sei einzelne Aspekte in dieser Phase noch nicht so hoch zu bewerten, wichtig sei welcher Haltung man folgen wolle. Die Jurysitzung sei also eine Richtungsentscheidung, so Bodemann weiter.
Im Prozess um Hannover City 2020 steht am heutigen Freitag also erst einmal die Entscheidung an, welche Entwürfe in die zweite Stufe übernommen werden und welche Teams welche Orte bearbeiten werden. Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer soll ausscheiden, um für die Vertiefung eine konzentriertere Konkurrenzsituation mit 3-4 Teams je Planungsgebiet zu schaffen. Wie schon angekündigt, folgt eine Ausstellung der bisherigen Arbeiten, eventuell mit einer Kommentierung der Juryentscheidungen, vom 9.3.2010 bis zum 26.3.2010 im Bürgersaal des Neuen Rathauses. Voraussichtlich Anfang Juni wird die Jury über die zweite Phase urteilen, diesmal ist die Öffentlichkeit erst hinterher, am 15. Juni, zur Präsentation eingeladen. Bis Ende des Jahres entsteht aus den Ergebnissen ein Rahmenplan, der noch einmal der Öffentlichkeit vorgestellt wird, bevor sich die politischen Gremien damit beschäftigen.
Wie viel Einfluss die öffentliche Beteiligung noch auf den weiteren Verlauf des Prozesses haben kann, wird sich vermutlich im Sommer zeigen. Die Veranstaltung gestern Abend stieß jedenfalls wieder auf großes Interesse. Das Auditorium des Sprengel Museums war soweit gefüllt, das etliche Besucher auf den Treppen stehend die Vorstellung verfolgen mussten. Ein Wermutstropfen war allerdings die Form der Präsentation. Auf der Beamerprojektion waren die Pläne so klein, dass sie für einen großen Teil des Publikums schwer lesbar blieben. Vielleicht gelingt in dieser Hinsicht im Juni eine bessere Lösung.




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